Flugangst

Meine letzte Dienstreise als Lateinamerikareferentin der ev. Kirche in Norddeutschland 2010. Sie geht nach Südbrasilien zu einer Kirchenkonferenz.

Meine Flugangst ist trotz der viele Lateinamerikareisen mit den Jahren gewachsen. Manchmal nehme ich vorher Beruhigungstropfen. Dieses Mal habe ich sie vergessen. Mit meinem über 20 Jahre alten Rucksack, der mir treue Dienste geleistet hat, gehe ich an den Schalter zum Einchecken. Die Angestellte sieht mein Gepäck und macht mir sofort klar, dass dieses unhandliche Teil extra abgefertigt werden muss. Das ärgert mich. Muss sie mich gleich so zurechtweisen, weil ich solch einen Rucksack trage und kein Chrom glänzendes Rollköfferchen? Als sie mein Flugziel sieht, fragt sie neugierig, ob ich allein reise.

„Natürlich“, sage ich kurz. Was ich dort mache? Ich erkläre, dass ich zu einer kirchlichen Konferenz reise.

 

Das sei aber spannend. „Ganz allein?" Immerhin bin ich zu diesem Zeitpunkt zarte 48 Jahre alt. „Ja, allein.“ Sie scheint wirklich beeindruckt. „So mutig und im Dienst der Kirche“. Kurzes Zögern, dann ruft sie: „Sie sind eine Gottesfrau!“ So hat mich noch niemand bezeichnet. Mir gefällt dieser Titel. Mittlerweile sind wir uns beide sympathisch.

 

Nun frage ich sie, ob ich die Turbulenzen fürchten müsse. Nein, die seien völlig normal. Da passiere nichts. „Außerdem, Sie sind doch in Gottes Händen.“

Ich kam heil in Brasilien an.

Juli 2016

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© Bärbel Fünfsinn, Hamburg